Halbzeit einer Super-Kirchweih

Pressekonferenz der Schausteller am 08.10.2018

"Nur Superlativen - Sensationell - Einzigartig": Die Vertreter der Schaustellerverbände sind vom bisherigen Verlauf der diesjährigen Michaelis-Kirchweih ebenso begeistert wie die Akteure der Stadt Fürth. Bei der Pressekonferenz zur Kärwa-Halbzeit ist man sich darüber einig, dass zu der fortgesetzten Erfolgsgeschichte neben dem Einfallsreichtum der Schausteller, dem größtenteils sommerlichen Wetter und dem Entgegenkommen der Anwohner vor allem auch die Aufnahme der Kirchweih ins bayerische Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes beigetragen hat.

Dr. Martin Schramm, Amtsleiter des Stadtarchivs und Leiter des Stadtmuseums, hatte sich entschieden dafür eingesetzt. Dafür bekam er nun Joachim Ulrich im Namen der Schausteller "sein erstes eigenes Karussell" überreicht und wurde damit quasi zum "Schausteller ehrenhalber" ernannt. Er sei gerührt, sagte Schramm, und kommentierte fast ein wenig verlegen: "Ich hab doch eigentlich garnicht viel gemacht". Die Aktivität hat in jedem Fall große Wirkung gezeigt: So ist die Michaelis-Kirchweih auch für die Bayern Marketing Tourismus GmbH zu einem Top-Thema geworden und darf sich im nächsten Jahr über vermehrte Berichterstattung und weiter wachsende Popularität freuen.

Wirtschafts- und Kirchweihreferent Horst Müller (im Bild rechts), stimmlich etwas angeschlagen nach der 7-stündigen Tour mit einem Bayern-Marketing-Tourismus-Fotografen am vergangenen Festzugsonntag, betont allerdings: "Wir beabsichtigen garnicht, die Besucherzahl der Michaelis-Kirchweih bis ins Endlose zu steigern. Vielmehr freuen wir uns darüber, dass unsere Kirchweih endlich überregional die Anerkennung bekommt, die sie verdient". Hans-Christian Wagner (im Bild links) vom Werbeteam Fürther Kirchweih bestätigt, dass es Gegenden gebe, in denen bezüglich Bekanntheitsgrad noch Luft nach oben sei: "Für die Niederbayern wäre das ein idealer Tagesausflug. Aber die haben die Fürther Kirchweih nicht wirklich auf dem Schirm."

Dabei sei sie als friedliches Fest für die ganze Familie interessant - eine Eigenschaft, auf die alle Beteiligten ganz besonders stolz sind, und die auch Dr. Schramm sehr am Herzen liegt. Die Rücksprache mit der Polizei habe ergeben, so bestätigten Horst Müller und Bürgermeister Markus Braun, dass auch heuer bisher keine nennenswerten Straftaten während der Kirchweih zu verzeichnen seien. Das scheint einer Anekdote aus der Vergangenheit zu entsprechen, die der Museumsleiter erzählt: Schon vor rund 150 Jahren, so Dr. Schramm, habe ein Arzt beim Besuch der Fürther Kirchweih berichtet, es seien "trotz einigem Alkoholkonsum keine Unglücke passiert". So solle es bleiben.

Familienfreundlich ist auch das Fahrgeschäft von Joachim Ulrich, das nun sein 65. Fürther Kirchweih-Jubiläum feiert: Das Kinder-Sportkarussell, gebaut vor 70 Jahren und auch heuer wieder in der Königstraße bei der Feuerwache zu finden, ist von der Kärwa-Meile nicht wegzudenken. Trotz laufender technischer Anpassungen habe man die Holzkonstruktion und den ursprünglichen Charakter des Karussells erhalten können, so Ulrich. Seit fast 100 Jahren ist seine Familie mit Karussells auf Volksfesten unterwegs.

Noch länger ist Familie Dölle dabei - sie feiert heuer ihr 240jähriges Volksfestjubiläum und schickt seit einigen Jahren in 9. Generation ihren jüngsten Spross, Kevin Dölle, ins Rennen. Der junge Unternehmer engagiert sich auch in sozialer Hinsicht: Für den kommenden Donnerstag, 11. Oktober, hat er von den Brauereien Tucher, Landwehr-Bräu und Gutmann insgesamt 6 Hektoliter Bier organisiert, das beim "Alten Brathaus" an der Freiheit zugunsten von Hope for Ethiopia e.V. ausgeschenkt wird. "Trinken für den guten Zweck" sozusagen und bei weitem nicht die einzige wohltätige Aktion der Schausteller: Bei Morawski's Theaterschänke gibt es Kärwa-Herzen und eine Sonderedition von Gläsern.

Helmut Dölle, Vorsitzender des Fürther Schaustellerverbandes, möchte sich insbesondere bei den Anwohnern bedanken. Man sei sich dessen bewusst, so Dölle, dass die Toleranz für Verkehrsbehinderungen und Geräuschentwicklung nicht selbstverständlich sei. Bezüglich der Wohnwagenstellplätze für die Beschicker der Kirchweih habe man nun eine Lösung erarbeitet, die in Zukunft noch eine deutliche Flächeneinsparung ermögliche.

Nur einer (eine? eins?) in der Runde dürfte mit der ersten Kirchweihhälfte nicht hundertprozentig überglücklich sein, verdreht die Kulleraugen, aber winkt immerhin noch mit ungebrochener Fröhlichkeit: Das neu entwickelte Maskottchen des Werbeteams Fürther Kirchweih. Kaum geboren, wurde das Plüsch-Schaf schon wegen namensrechtlicher Turbulenzen umbenannt und erfuhr anlässlich der Halbzeit-Pressekonferenz ein nochmaliges kleines Update: "Kärwa-Betzala", mit original fränkischem a statt i in der Mitte, so soll es nun endgültig heißen, und kriegt eine weitere Schürze mit entsprechend geänderter Stickerei.

Dafür konnten sich die Stadelner Kärwaburschen und -madli über einen Besucherrekord bei ihrem "Betz'n Tanz" freuen. Wer hätte gedacht, dass Schafe, inmitten all der Kirchweih-Attraktionen, mal so im Fokus stehen...