Auf diesem Kinderkarussell fahren die Fürther schon seit Generationen

Joachim Ulrich betreibt auf der Michaelis-Kirchweih auch heuer wieder das Kinderkarussell bei der Feuerwehr. Wie könnte es auch anders sein? Schließlich kommt er bereits seit Jahrzehnten auf die Kärwa, damit die Kinder was zu lachen und natürlich auch zu fahren haben. Wir haben uns für das geschichtsträchtige Kinderkarussell, seine Funktionsweise und den besonderen Charme interessiert, der sowohl das Karussell als auch die Kirchweih auszeichnet.

Hallo Herr Ulrich! Sie sind schon seit vielen Jahren auf der Michaelis-Kirchweih dabei. Wie lange genau?

Aktiv seit 39 Jahren. Selbstständig seit 1991.

Damals wahrscheinlich noch mit Ihrem Vater?

Genau. Von ihm habe ich es damals übernommen.

In dieser langen Zeit haben Sie bestimmt einiges erlebt. Was war besonders schön für Sie?

Mich freuen besonders die Rückmeldungen von den Familien, in denen schon der Opa gefahren ist, dann der Vater und jetzt die Kinder. Viele können sich auch noch sehr gut an mein Karussell erinnern und wissen, mit welchen Fahrzeugen sie früher am liebsten gefahren sind. Eine Geschichte sticht daraus besonders hervor: Ich kenne ein Ehepaar, das sich damals in meiner Postkutsche kennengelernt hat.

Wenn ganze Generationen in Ihrem Kinderkarussell gefahren sind, ist es ja fast schon antik. Wie lange gibt es das Karussell schon?

Das Karussell ist jetzt fast 70 Jahre alt und wurde von meinem Großvater gebaut. Eingeweiht wurde es 1948 auf dem Annafest in Forchheim. Mitte der 50er Jahre stand es dann zum ersten Mal in Fürth auf der Michaelis-Kirchweih.

Also ein echter Traditionsbetrieb!

Mein Urgroßvater war auch vorher schon in Fürth. Allerdings mit einem anderen Kinderkarussell.

Wie haben Kinderkarussells zu Zeiten Ihres Urgroßvaters funktioniert?

Damals sind die Karussells mit ihren eigenen Dampfmaschinen betrieben worden. Damals kam auch niemand vom Bauamt, sondern der Kesselinspekteur, der kontrolliert hat, ob alles in Ordnung ist. Als mein Großvater das jetzige Kinderkarussell gebaut hat, hatten die heutigen Antriebstechniken schon Einzug erhalten.

Und wie funktioniert es heute?

Also eigentlich ist der heutige Standard, dass die Steuerung elektronisch ist. Bei mir ist es nicht so. Mein Karussell wird so betrieben, wie vom ersten Tag an. Ich versenke Eisenwiderstände in einen Behälter mit Salzwasser und steuere so den Motor. Der Widerstand erzeugt die Impulse, die das Karussell zum Drehen bringen.

Man sieht ja ständig irgendwelche neuen Fahrgeschäfte. Was macht Ihnen an Ihrem „alten“ Kinderkarussell Freude?

Ich bin damit aufgewachsen und habe einen besonderen Bezug zu meinem Kinderkarussell. Es macht mir Spaß, es zu erhalten. Ich möchte es natürlich in der heutigen Zeit attraktiv machen und gleichzeitig den alten Charme erhalten, der dafür sorgt, dass ganze Generationen schöne Kindheitserinnerungen haben. Das ist gar nicht so einfach denn oft geht der Charme verloren, wenn sich Dinge ändern.

Dann passt das Kinderkarussell ja perfekt zur Michaelis-Kirchweih, bei der man ja auch bemüht ist, den alten Charme zu erhalten und trotzdem Neuerungen zu wagen. Was verbindet Sie mit Fürth?

Fürth ist meine Heimatstadt und die letzte Station der Saison. Ich bin hier aufgewachsen, kenne viele Leute und bin ein „echter Fürther“.

Als echter Fürther und Schausteller: Was ist das Besondere an der Michaelis-Kirchweih?

Die Fürther wissen einfach, was sie an ihrer Kärwa haben und können sich mit ihr identifizieren. Das war schon damals so und liegt bestimmt an der Mischung, der Vielseitigkeit und dem Charme der Kirchweih inmitten der schönen Fürther Innenstadt.